Geduld

Was wir heute wollen, soll auch heute geschehen.

Ein Klick und die Bestellung ist abgeschickt, Lieferung sofort, Bezahlung schon erledigt. Der Zugang zu Filmen über Netflix funktioniert direkt, Informationen aus dem Netz sind immer verfügbar. Eine Whatsapp-Nachricht wird sofort beantwortet, ebenso wie die zahllosen Mails, die „in Echtzeit“ auf unseren Laptops, Tablets und Handys aufpoppen. Es ist einfach und schnell, so viel ist im Angebot, keiner muss warten.

Klappt das mal nicht, werden wir schnell ungeduldig.

Das Resultat dieser schnellen Wunscherfüllung: Wir verderben uns die Vorfreude und die Wertschätzung, denn fast alles geht (zu?) leicht und schnell. In Geduld muss sich keiner mehr üben.

Dennoch: Kein Baum spendet seinen Schatten sofort,  kein Haus wird ohne Fundament erbaut.

Langsames, gesundes Wachstum gehören zu unserem Leben.

Aus der Erfahrung mit meinen Klienten kann ich berichten, dass es ein paar ganz und gar ungeduldige Menschen gibt, die sauer werden, wenn keine schnelle Lösung präsentiert wird. Sie vergessen dabei, dass sie viele Jahre darauf verwendet haben, in die jetzige Sackgasse zu geraten – in 5 Minuten sind sie da nicht wieder draußen, nicht dauerhaft.

Das Leben bremst uns manchmal aus und dann fordert es Geduld. Es soll sich etwas entwickeln können… ein neues Fundament, das haltbar ist und nicht bei der ersten Belastung einbricht. Dieses wird nicht in 1 Minute errichtet.

Lösungen für unsere Lebenssituationen fordern Geduld, Ruhe und Entwicklung.

„Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann, alles ist austragen – und dann gebären…“

„… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Forschen Sie jetzt nicht nach Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Rainer Maria Rilke, Auszüge aus einem Brief an Franz Xaver Kappus, 1903

In einigen Lebenslagen sind wir gefordert, geduldig zu sein und diese als Phasen des Lernens und Wachsens anzunehmen. Wenn sich dann eine Lösung zeigt, wissen wir meist genau, warum die Zeit des Wartens so wichtig für uns war.

In der Zwischenzeit stehe ich gerne zur Verfügung.

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