Sind wir nicht alle ein bisschen Frida?

 

 

 

 

 

 

 

Wie weit darf Liebe gehen? Wann führt sie in Schmerz, Verzweiflung, Selbstaufgabe bis hin zur Selbstzerstörung und wie kommt man aus dem Drama wieder raus?

Der Film „Frida Kahlo“ ist ein Beispiel von vielen, das anschaulich zeigt, welche Wirkung starke Liebe haben kann.

 Das Leben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo war durchzogen von Tragödien, wie z.B. die Folgen ihrer Polioerkrankung im Alter von 6 Jahren und natürlich der nahezu tödliche Bus-Unfall, der ihren Körper zerschmetterte. Während der langen Monate, in denen sie in Gips- und Metallkorsette an ihr Bett gefesselt war, beginnt sie damit, Bilder ihres eigenen sezierten Körpers und ihrer verwundeten Seele zu malen.

Der zweite große „Unfall“ ihres Lebens folgt: Das Zusammentreffen mit Diego Rivera, seinerzeit der berühmteste Maler Mexicos. Ein jahrelanges Liebesdrama beginnt, ebenso leidenschaftlich wie zerstörerisch und dauert bis zu ihrem Tod.

 Frida und Diego – sie lieben sich und heiraten. Er, doppelt so alt und dreimal so schwer wie sie, betrügt sie ständig. Seine Unfähigkeit zur Treue ließ er sich sogar eines Tages ärztlich attestieren.

Fridas Seelenleid beginnt früh und zeitweise scheint sie an seinen Eskapaden zu zerbrechen. Es gab zahlreiche Trennungen während ihrer Ehe. Nachdem Diego dann ausgerechnet auch noch ein Verhältnis mir Fridas Lieblingsschwester eingeht, folgt die Scheidung. Ein Jahr danach heiraten sie jedoch erneut.

Liebes- und Lebenskatastrophen

Wie oft fühlen auch wir uns in unseren eigenen, tief empfundenen Liebes- und Lebenskatastrophen dem Schmerz einer Frida Kahlo nahe?

Wir alle leben unser ganz persönliches Beziehungsmodell, das einige Jahre zu passen scheint, wie z.B.:

„Wenn ich Dich liebe, bist Du mein Lebensinhalt.“

Für viele Menschen ist eine Liebesbeziehung ein „Bund fürs Leben“. Der Partner wird zur Existenzgrundlage, ohne den nicht mehr gelebt werden will. Das gesamte Denken und Fühlen kreist um den Partner. Liebe und Ehe werden mit einem Treue- und Ewigkeitsanspruch aufgefüllt.

„Wenn Du mich liebst, lass mir Freiräume.“

Für zahlreiche Partner ist der eigene Freiraum in einer Beziehung immens wichtig und eine Bedingung an die Verbindung. Wie groß ist das jeweilige Freiraumbedürfnis und was genau ist damit gemeint? Hier gibt es breit gefächerte Unterschiede. Angefangen bei unterschiedlichen Formen der „Freiheit“ bis hin zu einer völligen Verantwortungslosigkeit.

Menschen entwickeln sich weiter, äußerlich und innerlich und dadurch verändert sich oftmals ebenfalls die Partnerschaft. Nicht selten will oder kann der Partner den Wandel nicht mit leben.

Meine Klientinnen sind sehr unterschiedlich. Fast alle stehen mitten im Leben, haben viel erreicht haben und jede einzelne ist in meinen Augen eine interessante Persönlichkeit. In der Regel leben sie in einer Ehe/Partnerschaft, haben meist schon erwachsene Kinder.

Sie berichten mir oftmals, dass ihre Männer sich gerade eine deutlich jüngere Frau gönnen. Manche Männer wollen aber die Ehe dennoch nicht verlassen, andere wiederum leben mehrfahre Seitensprünge und verlassen ihre Frau evtl. doch ganz plötzlich, um mit ihrer neuen Partnerin ein neues Leben zu beginnen.

Wieder andere Männer machen einfach „zu“ und leben ohne große Begeisterung neben ihrer Frau her. Schweigen in der Beziehung kann vernichtend sein.

Was den meisten Männern gemein ist: Ihnen fehlen Fähigkeit und Mut auszusprechen, was sie gerade leben wollen. Sie würden ihren Frauen dadurch die Chance geben, ihre Konsequenzen zu ziehen. Das Risiko, dass das sichere Nest abstürzen könnte, ist den meisten Männern in dem Moment wohl zu groß. Die Frauen werden „warm gehalten“, solange sich die Männer ausprobieren.

Es geht ganz und gar nicht darum, ein Fremdgehen oder das Verfolgen eines neuen Lebensmodells zu verurteilen. Jeder sollte leben, was er/sie möchte. Es geht aber vielmehr um Fairness. Die Fairness, die Bindung zur Partnerin zu lösen und deren wertvolle Lebenszeit nicht zu blockieren.

Es sei denn, die Liebe der Noch-Partnerin/Ehefrau ist so groß, dass sie sich mit der Situation arrangiert, so wie einst Frida Kahlo.

Frida hatte irgendwann damit begonnen, Diego ebenfalls zu betrügen, mit Männern und Frauen… manchmal stahl sie ihm sogar seine Geliebten.

Trotz des immensen Schmerzes, besonders bei Frida Kahlo, den die beiden gegenseitig im anderen auslösten, ließen sie sich sein, wie sie waren. Diego Rivera versuchte nie, ihren Kunststil zu beeinflussen. Sie lernte, mit seinen Liebeseskapaden zu leben.

Die Liebe zwischen Frida und Diego konnte in den späteren Jahren ihrer Ehe vielleicht wohlwollend als bedingungslos bezeichnet werden.

Aus meinen vielen Beratungsgesprächen weiß ich, dass es, wie bei Frida Kahlo, meistens die Frauen sind, die zu Veränderung bereit sind, um trotzdem die große Liebe zu erhalten.

Zu jedem Zeitpunkt aber ist es für die betroffenen Frauen unbedingt richtig und wichtig, sich selbst zu stärken und zu lernen, das Leben auch unter neuen Bedingungen zu genießen. So wachsen sie Stück für Stück in ihre neue Lebenssituation hinein und plötzlich liegt die Entscheidung auf ihrer Seite.

“Nichts ist fürs Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen etwas völlig Albernes.“ (Frida Kahlo)

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